Bezüglich des Windhövel-Areals waren sich bereits Ende der 1970er Jahre alle Fraktionen im Haaner Rat grundsätzlich einig. Es sollte, westlich an den unteren Neuer Markt anschließend, ein Geschäftskomplex zur Belebung der Haaner Innenstadt und zur Verbesserung des Kaufangebots entstehen. Bevorzugt wurde damals eine Bebauung mit kleineren Einzelgebäuden, die im Erdgeschoss Geschäfte, in den oberen Geschossen Wohnungen, Praxen oder Büros beherbergen sollten. So waren die Vorstellungen der Politik, die in einen entsprechenden Bebauungsplan Eingang fanden. 

In den folgenden Jahrzehnten konnten aber keine Investoren für die Umsetzung dieser Pläne gefunden werden. Kleinteilige Geschäftsansiedlungen entsprachen nicht mehr den Kundenerwartungen und waren unattraktiv für Geschäftsleute. So wurde schließlich Anfang des neuen Jahrtausends ein geändertes Konzept in Form eines Einkaufszentrums entwickelt. Dieses Windhövel-Zentrum hatte den Vorteil, dass ein solventer Investor dieses Einkaufszentrum bauen und betreiben wollte. Nun machten aber Teile des Rates im Schulterschluss mit diversen Bürgerinitiativen massiv Front gegen dieses Vorhaben und konnten seine Realisierung mehrfach durch erfolgreiche Klagen vor den Verwaltungsgerichten stoppen. In der Zwischenzeit haben benachbarte Städte ihr Kaufangebot in ähnlicher Weise ausgebaut, wie es in Haan geplant war. So wurde die ursprüngliche Absicht der Attraktivierung der Haaner Innenstadt mittels eines Einkaufszentrums obsolet.

Ein neues Konzept musste her. Im Rahmen der Aufstellung des integrierten Handlungskonzepts Innenstadt Haan sollte nun ein Geschäftshaus mit einem großen Lebensmittelmarkt, einem größeren Drogeriemarkt und einigen kleineren Einzelhandelsgeschäften für die Belebung der Haaner Innenstadt sorgen. Die erneute Anpassung des Bebauungsplans erfolgte zügig. Das geplante Geschäftshaus fand mehrheitlich den Beifall von Politik und interessierter Öffentlichkeit. Nur ist uns jetzt, wieder einmal, der Investor abhanden gekommen. Der sieht in dem neuen Konzept leider keine wirtschaftliche Perspektive und hat sich somit verabschiedet. Gut 40 Jahre Stillstand sind zu verzeichnen.

Wie kann es jetzt weiter gehen? Wir stehen vor einem Scherbenhaufen. Die wirtschaftliche Belebung der Innenstadt ist überfällig. Der Haaner Einzelhandel hat, wie kürzlich einem Artikel der Rheinischen Post zu entnehmen war, allein in den letzten12 Jahren etwa 40 Millionen Euro an Jahresumsatz verloren. Die Entwicklung eines leistungsfähigen Geschäftszentrums westlich des Neuer Markt ist ein zentraler Baustein des Integrierten Handlungskonzeptes Innenstadt Haan, dessen Umsetzung seitens der Landesregierung hoch bezuschusst wird. Dieser Eckpunkt droht nun wegzubrechen und bedroht damit das gesamte Innenstadtprojekt. Die FDP fordert für das Windhövel-Areal dringend ein sowohl wirtschaftlich als auch stadtplanerisch tragbares Konzept. Für Kämpfe um vermeintlich optimale (Detail-) Lösungen ist keine Zeit mehr. Ideologisch motivierte oder durch übertriebenes Bedürfnis nach Selbstdarstellung getriebene Grabenkämpfe können wir uns in Verantwortung für unsere Stadt nicht mehr leisten. Oder soll Haan zukünftig nur noch Schlafstadt sein?