Am 20. September hat der Rat der Stadt Haan mehrheitlich beschlossen, eine Gesamtschule im Schulzentrum Walder Straße einzurichten und gleichzeitig die bestehenden Schulen - Hauptschule zum Die und Emil Barth Realschule - in den kommenden fünf Jahren auslaufen zu lassen. Die FDP hat sowohl in den vorauf gegangenen Beratungen dagegen argumentiert als auch in der Abstimmung dagegen gestimmt. Der Rat hat entschieden, die aus Sicht der FDP negativen Aspekte sind damit aber nicht ausgeräumt. Vielmehr ist die Ratsmehrheit der von der FDP angemahnten fachlichen Diskussion stets ausgewichen. Die von den Befürwortern einer Gesamtschule angeführte Bedrohung der Hauptschule durch rückläufige Anmeldezahlen ist auch nach Aussage des von der Verwaltung bestellten Planers nicht akut, sondern erst in einigen Jahren relevant. Zu Hektik und Eile besteht somit kein Anlass.

Was kommt auf uns zu? Mitte des kommenden Jahres wird mit dem Abriss und Neubau des Haaner Gymnasiums begonnen, was die städtischen Finanzen ganz erheblich belasten wird. Gleichzeitig wird mit dem Umbruch der Schullandschaft an der Walder Straße begonnen, wofür die Kosten, beispielsweise zur Ausstattung der neuen Schulform mit speziellen Lehrmitteln, noch nicht annähernd kalkuliert sind. Auch mögliche Umbauten, um die zwar zahlenmäßig nachgewiesenen Räumlichkeiten zweckgerecht herzurichten wurden noch nicht betrachtet. Die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der neuen Gesamtschule erfordert in den kommenden Jahren Erweiterungsbauten, deren Kosten grob mit einigen hunderttausend Euro abgeschätzt wurden. In der Machbarkeitsstudie des Planers wurde der Betrieb der Schule unter den gegebenen räumlichen Bedingungen zwar als möglich dargestellt. die Anforderungen des so genannten Kölner Modells werden aber bei weitem nicht erfüllt. Dies würde ersten Schätzungen zufolge weitere Baumaßnahmen mit einem Mittelvolumen von ca. 6,7 Mio. € erfordern. Erfahrungsgemäß handelt es sich dabei um Minimalansätze, die üblicher Weise in der Realität deutlich überschritten werden.

Was ist nun zu erwarten? Um die Finanzen der Stadt Haan ist es bekanntlich nicht rosig bestellt. Das Haushaltssicherungskonzept verlangt, dass der städtische Haushalt spätestens 2020 ausgeglichen wird. Das heißt im Klartext, die Differenz von Erträgen und Aufwendungen darf nicht mehr negativ sein, sondern muss mindestens eine schwarze Null ergeben. Trotzdem beginnt die Stadt mit zwei parallelen Großprojekten im Schulbereich. Aus der Finanznot geborene faule Kompromisse bei der Herrichtung und Ausstattung beider Schulen sind da vorprogrammiert.

Das bewährte dreigliedrige System, das geprägt ist von der engen Kooperation der Schulen, um den Schülerinnen und Schülern beste Bildungsmöglichkeiten zu bieten wird abgelöst durch Gymnasium und Gesamtschule, die sich systembedingt einen ruinösen Wettbewerb um Schüler der gymnasialen Oberstufe liefern müssen. Die parallele pädagogische Fokussierung sowohl auf Schüler mit besonders hoher Lernbegabung - Gymnasium - als auch auf Schüler mit geringer Lernbegabung  - Hautschule - entfällt dabei. Verlierer sind dabei somit die potenziellen Hauptschüler. Aber auch Gymnasium und Gesamtschule werden kaum über soviel Schülerinnen und Schüler in der gymnasialen Oberstufe verfügen, um ein attraktives, weit gefächertes Differenzierungsangebot bieten zu können.

Was bleibt übrig? Nach der Ablösung des kooperativen Schulsystems werden in Haan nur noch zwei Angebote verbleiben. Ein besonders in der gymnasialen Oberstufe geschädigtes Haaner Gymnasium und eine Gesamtschule, die räumlich auf Kante genäht und aufgrund finanzieller Engpässe unterdurchschnittlich ausgestattet ist. Es bleibt zu befürchten, dass der Trend zum Auspendeln von Schülerinnen und Schülern zu Schulen in benachbarten Städten von derzeit  ca. 20% deutlich zunehmen und damit die Basis für die Haaner Schulen weiter schmälern wird.