„Impulse setzen, die Menschen mitnehmen“
Handelsverband NRW zu Gast bei der Haaner FDP:
Schwächephase der Wirtschaft, unsichere politische Welt-Gemengelage, Kaufzurückhaltung allerorten, steigende Energiekosten, fehlendes Personal, Attraktivitätsverlust der Innenstädte: Die Liste der Herausforderungen für den Einzelhandel, das Rückgrat einer funktionierenden Innenstadt, ließe sich beliebig verlängern. Mit 4.900 Schließungen bundesweit rechnet der Handelsverband Deutschland in diesem Jahr, in den vergangenen zehn Jahren summiert sich diese Zahl auf nahezu 70.000 Geschäftsaufgaben. Doch wie steht es um den Einzelhandel in Haan? Dafür hatte Matthias M. Machan, stellv. FDP-Vorsitzender, Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss und Einzelhandelsexperte der Partei, Geschäftsführer Björn Musiol und Marc Saß, beim Handelsverband NRW Rheinland für den Kreis Mettmann und das bergische Städtedreieck zuständig, zu einem Impulsreferat eingeladen. Die Botschaft des engagierten Diskussionsabends: Nur gemeinsam lasse sich eine lebendige Innenstadt mit einem zukunftsstarken Handel gestalten.
Haan stehe, so Musiol, trotz sichtbarer Leerstände noch vergleichsweise gut da. „Mit Blick auf andere Städten dieser Größenordnung ist die Wirtschaftsförderung sehr aktiv, setzt immer neue Impulse.“ Bestes Beispiel sei die „mitte.haan“, ein ehemals leerstehendes Ladenlokal in bester Innenstadtlage, das von Vereinen, Initiativen, Einzelhändlerinnen und Einzelhändler aber auch von Privatpersonen u.a. für Krimilesungen, Kunstausstellungen oder Vorträgen zu unterschiedlichsten Themen genutzt werde. „Ein offenes wie einladendes Angebot, zudem ein Frequenzbringer“, befindet Musiol. Indes: „Der Leerstand bleibt für alle Innenstädte eine Herausforderung, das Leerstands-Management ein großes Problem. Ein Pop-up-Store ist da nur eine nette Zwischenlösung.“
Potential für Neuansiedlungen generell eher gering
In einer Zeit jedoch, in der das Potential für Neuansiedlungen, insbesondere von Filialisten, sehr gering sei, sei beispielsweise die Ansiedlung von „Denns BioMarkt“ an der Kaiserstraße ein echter Vorteil für die Innenstadt-Entwicklung. Und auch ein zweiter Drogeriemarkt, Stichwort Rossmann, sei „generell begrüßenswert“. Musiol: „Über den Ort kann man sicher streiten, aber in einer Zeit, in der die Ansiedlung von Filialbetrieben immer seltener wird, ist das eine Chance.“ Generell sei es wichtig, mit den Menschen vor Ort in den Dialog einzusteigen: Wo will man hin mit der Innenstadt, welche identitätsstiftenden Merkmale sollen geschaffen werden? „Es gilt Impulse zu setzen, die Menschen mitzunehmen, um die Innenstadt zu einer Marke zu machen.“
Die Menschen bei den Planungen mitnehmen, gemeinsam eine lebendige Innenstadt gestalten? Das setzt den Dialog voraus. Vor Ort beispielsweise zwischen dem Handelsverband NRW Rheinland in Haan und der Aktionsgemeinschaft „Wir für Haan“. „Bislang herrscht zwischen der ehemaligen Werbegemeinschaft und dem Lobby-Verband des Einzelhandels eher Funkstille. Wie gut Vernetzung zwischen den Innenstadt-Akteuren funktionieren kann, zeigt ein Blick auf den Prinzipalmarkt in Münster oder nach nebenan, konkret in Ratingen. Es wird höchste Zeit für einen Dialog“, so FDP-Vize Matthias M. Machan.
